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Im Elend sind wir alle gleich

Vorab möchte ich mich bei dir entschuldigen. Eigentlich wollte ich einen anderen Artikel online stellen, der mir sehr am Herzen liegt und auch für gewisse Menschen gedacht ist. Aber diesen Artikel werde ich erst nächste Woche veröffentlichen, da ich der Meinung bin, dass die derzeitige Situation in Bosnien und Herzegowina Vorrang hat. Die nächsten Zeilen drehen sich also um diese Menschen… danke fürs lesen.

PS: Dieser Artikel ist mit Musik versehen, die nach ca. 30sek automatisch startet. Weitere Angaben dazu, sowie eine Play/Pause Funktion findest du am Ende des Artikels.


Ein ganz normaler Tag. Nichts spannendes im Fernsehen, aber dafür kann man den Kindern beim Spielen zusehen. Spielzeug haben sie ja genug, viel mehr als wir damals als Kinder hatten. Ich müsste noch so viel erledigen. Das Auto sollte auch wieder mal gewaschen werden, und eventuell auch zur Inspektion. Diese blöde Sparkiste. Aber schnell auf Holz klopfen, denn sonst funktioniert es ja brav. Der Haushalt macht sich auch nicht von allein. Wo wohl immer der ganze Dreck herkommt? Jeden Tag diesselbe Leier, einkaufen, abwaschen, putzen… Besuch? Bitte nicht jetzt, was sollen die denn von uns denken? Und dann sind da ja noch die Nachbarn. Sehr freundliche Leute, aber immer so neugierig. Haben die denn kein eigenes Leben? Keine eigenen Sorgen? Wie es bei denen auf dem Grundstück auch immer aussieht? Wenn das mein Haus wäre, hätte ich ja schon längst ein, zwei Dinge renoviert. Ob die dafür kein Geld haben? Doch doch… Geld haben die genug. Hab ich zumindest gehört. Also sind sie wohl geizig? Tja, so kann man sich täuschen in den Leuten. Freundlich und scheinheilig nach außen, aber hinter die Kulissen da darf man nicht schauen. Typisch.

Regen? Jetzt?
Haben die das denn angesagt?

Rein ins Haus. Aufräumen, Kinder ins Bett schicken, danach Fernsehen zu zweit und nebenbei die Nachbarn ausrichten. Schlafen gehen. Schönes Leben.

Es ist dunkel. Es regnet immer noch. Überall Lärm. Polizeisirenen und Blaulichter scheinbar überall. Wir müssen raus aus unserem Haus. Jetzt sofort. Die Kinder sind bei uns, weinen und haben Angst. Auch ich habe Angst. Nur für meine Angst habe ich keine Zeit. Wir müssen weiter. Was brauchen wir dort, wo wir nun hinmüssen? Unterlagen? Fotos? Meine Sachen? Das Spielzeug der Kinder? Erinnerungen. Keine Zeit… es muss noch im Haus bleiben. Wir kommen ja später zurück. Nässe, Kälte, Lärm, Aufregung. Menschen, wohin man blickt. Keiner ist geschminkt. Keiner hat sich herausgeputzt. Nur das Notwendigste ist dabei. Wenn überhaupt. Chaos, Angst und Sorge sind allgegenwärtig. Kein Strom, keine Wärme, kein Wasser. Keine Privatsphäre. Keine Geborgenheit. Kein Lächeln. Keine Freude. Nur wir. Nur sie.

Es regnet immer noch.
Fremde sind nun Vertraute geworden.
Feuerwehr, Rettung, Polizisten und Bundesheer kümmern sich so gut es geht um uns.
Wir helfen uns gegenseitig.

Trost? Ein Verlangen.
Zuversicht? Woher nehmen?

Kein zu Hause. Überflutet.
Kein Auto. Weggeschwemmt.
Keine Fotos, Unterlagen, Erinnerungen. Vernichtet.
Keine Nachbarn. Vermisst.
Keine Hoffnung.

Es ging so schnell.
Gestern war es noch schön. Heute ein Albtraum. Morgen…?

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photo credit: Adrian Kingsley-Hughes via photopin cc

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RonnyDee
RonnyDee"Wenn du tust, was du immer getan hast, dann wirst du bekommen, was du immer bekommen hast"
Ich blogge hier über alle Themen mit denen ich in Berührung komme. Möchtest du wissen, warum ich so denke was ich schreibe, dann findest du unter "Über mich" mehr Informationen über mich und mein Leben
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