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Der Spiegeltest

Bei diesem Blog wage ich mich auch ein wenig in die Psychologie. Aber keine Angst, ich schneide es nur kurz an, weil ich es interessant finde und mit meinem Blogthema zu tun hat. In der Psychologie gibt es einen sogenannten „Spiegeltest“. Dieser wird in der Regel bei Menschen ab dem 2ten Lebensjahr bestanden. Was das genau heißt? Nun, man nimmt einen Spiegel und hält diesen in das Sichtfeld der Testperson (oder auch des Testlebewesens). Bis zum 2ten Lebensjahr ist der Mensch zum Beispiel kaum fähig zu erkennen, dass es sich um ihn selbst handelt, den er da sieht. Man prüft das unter anderem mit einem Punkt, den man der Testperson aufmalt. Und wenn die Testperson im Spiegelbild diesen Punkt sieht und bei sich selbst abwischen will, so hat diese Testperson z.B. erkannt, dass es sich um ein und dieselbe Person handelt. Bei Tieren macht man das aufgrund verschiedener Reaktion (Drohgebärden, etc.) fest.

Auf was ich aber hinaus möchte… jeder von uns (manche vielleicht doch weniger) sehen jeden Tag mindestens 1x in den Spiegel und erkennen, dass sie es sind, den sie da sehen. Aber mehr erkennen sie dann auch schon nicht mehr. Lediglich eine Person, durchaus mit einer gewissen Distanz. Denn obwohl man selbst ganz genau weiß, wie diese Person die man da in dem Spiegel sieht, tickt… man kann sie irgendwie nicht oder nur sehr schwer akzeptieren. Oder stehst du vor dem Spiegel und betrachtest dich mit einem Lächeln, mehr noch mit vollkommener Zufriedenheit und Freude? Denn eigentlich müsste genau das passieren? Wir sehen nämlich einen Menschen der zu 100% der ist, der wir sind. Und wenn wir von uns überzeugt sind, also dabei auch das Recht heraus nehmen, über andere zu urteilen, dann müssten wir doch unglaubliche Freude empfinden wenn wir uns sehen?

Aber das tun wir kaum.
Menschen sehen nämlich nur die Hülle. Wir haben es irgendwie verlernt in das „dahinter“ zu blicken. Aus diesem Grund sehen wir auch nicht bzw. kaum, welche besonderer Mensch wir eigentlich sind. Wir sehen nicht, was unsere Stärken sind, wir sehen nicht was wir schon alles erreicht haben, wir sehen auch nicht was andere an uns schätzen und vor allem sehen wir nicht dass dieser Mensch den wir da im Spiegel betrachten so vollkommen ist. Wir versuchen die Hülle, von der wir annehmen, dass sie so wichtig ist auf dieser Welt, zu verbessern.

Während meinem Burnout im Frühjahr 2014 lernte ich eine andere Seite an mir kennen. Eine dir mir gezeigt hat, dass es nicht so wichtig ist wie man sich gibt, sondern wie man selbst zu sich steht (Oh, ich höre schon die Kritiker anklopfen, die mir dann sagen wollen, dass man als Egoist auch nicht überleben kann). Aber sind wir uns ehrlich, auf was kommt es denn an? Kommt es nicht darauf an, was man selbst in seinem Leben erreicht? Was man selbst macht, damit man sich eben jeden Tag im Spiegel mit ruhigem Gewissen betrachten kann und zu sich selbst (!) sagen kann: „Ich bin stolz auf dich!“ oder (was kaum jemand schafft) „Ich liebe dich!“

Probiere es doch einfach mal aus… stell dich vor einem Spiegel. Am besten dann wenn dich niemand stört. Betrachte dich ruhig und aufmerksam. Deinen Körper, deine Haltung, deine Mimik. Und dann gehe näher ran und betrachte dein Gesicht und sieh dir selbst tief in die Augen. Es wird unangenehm und komisch sein. Aber oft denkt man sich ja „Warum sehen Leute nicht mein wahres Ich“ (vor allem dann wenn schlechte Zeiten ins Haus stehen) und in Wahrheit kann man sein wahres Ich selbst nicht sehen. Also…

Versuch dich selbst zu erkennen.
Schau dir einfach tief in die Augen und reflektiere was du bis dato erreicht hast, wer du bist und was du zu dir selbst sagen würdest.

Und für die Kritiker: Ja, kann sein dass es komisch klingt und als “Schwachsinn” betitelt wird. Aber vielleicht ist es ja auch die Angst vor einem selbst oder vor dem Unbekannten? Letztendlich muss aber jeder einmal sein Spiegelbild betrachten, viele tun es halt erst dann, wenn man an dem was sie sehen nichts mehr ändern kann.

Fotoquelle:
NICO looks at himself“ von Georgia Pinaud, Lille , France. – Eigenes Werk. Lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons.