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Keine Ahnung, was ich sagen will

Eigentlich wollte ich einen Beitrag über mein letztes Wochenende schreiben. Eigentlich wollte ich schreiben, auf was man sich fokussieren muss, wenn man ein Ziel erreichen möchte, wenn man etwas leisten muss um danach stolz auf sich selbst zu sein. Für einen selbst, nicht für jemand anderen. Ich wollte mit jedem Buchstaben und jeder Zeile das Gefühl festhalten, was es bedeutet wenn man trotz Schmerzen weitergeht. Eigentlich wollte ich damit wieder etwas persönliches über mich schreiben…

Doch wenn man Berichte im Fernsehen sieht die einem zeigen, dass man verdammt nochmal froh sein kann, wenn man in einem Land wie Österreich oder auch Deutschland leben kann und wenn man in diesem Moment Menschen sieht, die so viel geben würden, wenn sie nur auch die Möglichkeit hätten… in so einem Moment möchte ich nicht über mein Wochenende schreiben. In diesem Augenblick drängt sich mir viel mehr die Frage auf, wo wir eigentlich gelandet sind?

Haben wir nicht aus schon so vielen Kriegen gelernt, dass es stets nur Verlierer gibt? Haben wir nicht auch schon gelernt, dass wir (egal ob mit oder ohne Gewalt) niemanden unterdrücken können? Warum glauben wir nach wie vor noch, dass wir irgendwie das Recht haben unseren gelehrten Glauben, unsere vermittelte Ansichtsweise, unsere erlebte Erfahrung und unser Wissen jemanden aufzudrängen weil wir der Meinung sind dass es viel besser ist? Wer glauben wir zu sein?

Sind wir denn besser, wenn wir eine Uniform am Leib tragen? Macht es uns stärker wenn wir nur an einen Gott glauben und nicht an das was andere Religionen erfahren haben? Haben wir das Recht gepachtet andere Menschen zu belehren? Oder sind wir eine bessere Rasse, weil wir Urlaubsfotos und gestellte Selfies posten, während vor unserer Haustür der Tod Hand in Hand mit der Traurigkeit herumschleicht?

Wo sind wir gelandet, dass wir uns stets gegenseitig abschlachten?

Dass Menschen für die Überzeugung anderer ihr Leben lassen müssen. Dass Kinder keine Zukunft mehr haben, weil sie einfach während eines Schultages am falschen Ort waren. Wo sind wir gelandet, dass Waffen die einzige Sprache sind, die wir noch kontrollieren können?

UNRWA Korrespondent Christopher Gunness hat selbst schon sehr viel Leid gesehen, doch die Berichterstattung nach einem Angriff auf eine Schule in Gaza lässt selbst ihn nicht kalt. Tja… wo sind wir gelandet?!

Was ich mit diesem Blog genau aussagen will, weiß ich selbst nicht. Es ist vielleicht die Tatsache, dass Menschen um ihr Leben kämpfen, ihren Kindern nachtrauen und ihr Besitz zerbombt ist. Egal ob in Gaza oder in der Ukraine. Und wir? Wir sitzen da, freuen uns jeden Tag aufs Wochenende, auf den Urlaub, auf den Ruhestand. Weil ja doch alles so anstrengend und mühsam ist.

In Wahrheit haben wir gar keinen blassen Schimmer, was mühsam ist.
Wir fahren mit dem Auto zur Arbeit, Einkaufen, zu Freunden, in die Natur… wann und wohin wir auch wollen. Wir trinken und essen das was uns schmeckt, wann und wo auch immer wir wollen. Nicht zu vergessen wie viel wir auch wollen! Wir drehen den Wasserhahn auf und können das Wasser trinken. Wir checken die neuesten Apps auf unserem Handy damit wir cool sind und regen uns auf wenn vom dem Ding nach 3h Dauerbetrieb der Akku leer ist. Das ist wirklich anstrengend.

Das Jammern auf so hohem Niveau, während wir im Glauben sind, dass der Rest der Welt selbst schuld ist und wir auch nichts daran ändern können.

photo credit: Just Ard via photopin cc