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Ein weißes Blatt Papier

Es gibt Tage, dass weiß man einfach nicht was man schreiben, geschweige denn wie man beginnen soll. Ja, diese Tage gibt es.

Da sitzt man vor seinem PC und geht gedanklich alle Themen durch, die einen die letzten 7 Tage beschäftigt haben bzw. in irgendeiner Art und Weise aufgefallen sind. Man sucht in seinen Hirnwindungen nach einem roten Faden, den man aufnehmen und aufwickeln könnte um für den nächsten Winter einen Socken stricken zu können… äh, nein Moment – einen Faden damit man dieses schöne weiße Blatt Papier, welches digital dargestellt wird, zu füllen.Doch das ist an solchen Momenten gar nicht so leicht, wie es am Ende aussehen mag, denn es gibt Dinge die einen ablenken, sei es der unterbelichtete Prolet der jeden Abend an meinem Fenster vorbeifährt und nach dem Abbiegen nach links, so tief ins Gaspedal drückt, dass man meinen könnte die Zylinder kommen jeden Moment beim Auspuff raus um den Nachthimmel zu bestaunen. Gleichzeitig allerdings fährt dieser besagte Lenker aber so langsam weg, dass man meinen könnte er stehe mit dem linken Fuß auf dem Bremspedal um der Erdbeschleunigung, die mit den (un)gebändigten PS konfrontiert werden, entgegenzuwirken.

Ach, da sehnt man sich nach der Zukunft in der es nur noch Elektroautos geben wird. Wenn nur noch ein leises “zzzzz” zu hören ist und Helene Fischer atemlos im Autoradio wird, weil der Schubregler für die Stromzufuhr bis zum Anschlag durchgedrückt ist. Welche schöne Zukunft.

Heute kann ich davon nur träumen, bzw. noch nicht mal das, da das weiße Blatt Papier sich ja nicht von alleine füllt, außer ich suche mir eine x-beliebige Taste und drücke sie solaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaange bis die Seite voll ist. Das hätte zwar den gleichen Informationsgehalt wie so manche Statusanzeigen auf Facebook, aber im Grunde genommen wäre das zu einfach für mich und würde zu viele Likes kassieren.

Da könnte ich ja gleich ein Selfie aus dem Urlaub oder ein Essensfoto posten. Denn solche Postings sind beliebt, die reißen die Leute aus ihren Träumen, schenken ihnen Hoffnung und lassen sie auf den Tisch hauen und zum Chef gehen um ihm zu sagen, dass man a) verdammt großen Hunger hat und sich besser niemand in den Weg stellen soll oder b) den letzten Urlaub von vor zwei Wochen schon wieder vergessen hat und nun eine Selbsthilfegruppe für Demenzkranke aufsuchen möchte. Ja, das sind die Postings die die Welt verändern.

Die Welt wäre nicht mehr dieselbe ohne Facebook. Facebook ist DIE Nachrichtenquelle überhaupt. Was nicht auf Facebook steht, ist nicht passiert. Deshalb posten ja Leute auch gerne Informationen über ihren Stuhlgang… um sich später die unangenehmen Fragen zu Qualität und Zeitpunkt des selbigen bei diversen Arztbesuchen zu ersparen. Kurzerhand den Arzt als Freund geaddet und schon gibt die Diagnose per Direktnachticht. Auf Wunsch sogar mit Hashtag, damit man Gleichgesinnte per Knopfdruck finden kann.

Tja… aber was hilft es mir jetzt? Ich mein, mein Blatt ist nach wie vor leer. Sucht man nach einem Leerzeichen auf Facebook, wünscht dasselbige mehr Informationen. Ja bitte wozu such ich denn danach? Hätte ich mehr Informationen müsste ich ja klarerweise auch nicht danach suchen. Auch Google blieb stumm. Google hat sonst immer was zu sagen… aber in diesem Fall… nichts. Nicht mal ein “Meintest du…”. Nichts.

Nur dieser blöde gerade Strich blinkt im Sekundentakt und warte auf irgendeine Reaktion von mir. Soll er doch warten bis er schwarz ist.

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photo credit: Guudmorning! via photopin cc

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RonnyDee
RonnyDee"Wenn du tust, was du immer getan hast, dann wirst du bekommen, was du immer bekommen hast"
Ich blogge hier über alle Themen mit denen ich in Berührung komme. Möchtest du wissen, warum ich so denke was ich schreibe, dann findest du unter "Über mich" mehr Informationen über mich und mein Leben
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