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Kostbar

Gerade in der vorweihnachtlichen Zeit, in der man Ruhe sucht, doch Hektik findet; in der man Nächstenliebe schenken, aber eher Neid und Missgunst zu vergeben hat; in dieser Zeit sollte man doch vielleicht ganz kurz darüber nachdenken, was wirklich kostbar ist. Und zwar nicht kostbar in Sinne von Euros oder anderem materiellen Werten, sondern in Bezug auf das, was einem wichtig ist.

[dropcap]I[/dropcap]ch weiss, das könnte gerade deine kostbare Zeit sein, die du jetzt opfern müsstest, aber vielleicht bekommst du dadurch auch etwas zurück?! Vielleicht wird dir während dem Lesen des Artikels bewusst, dass es nicht die Konsumgüter sind, die man am meisten schätzt, wenn sie unter dem Weihnachtsbaum liegen. Denn spätestens nach 4 Wochen kann man sich an diese Freude, kaum noch erinnern. Man erinnert sich eher an den Ablauf des Weihnachtsabends und an die darauf folgenden Feiertage. Vielleicht hat man sie (wie immer) im Kreise der Familie gefeiert oder verfiel dem Stress, dass man innerhalb von 2,5 Tagen alle möglichen Verwandten und Bekannten; wo immer sie auch wohnen mögen; besuchen oder sich bei ihnen zumindest melden sollte.

Doch ist das kostbar?
Wissen wir das in unserer heutigen Zeit, in diesem Land zu schätzen?
Oder verfallen wir nicht insgeheim den Gedanken, dass alles zu einer Qual geworden ist. Zu einer Qual der wir den ganzen Dezember ausgesetzt sind, weil wir Geschenke kaufen müssen, obwohl wir gar nicht wissen womit der/die Anderen eine Freude hätte. Eine Qual, weil wir doch selbst so wenig Geld haben und irgendwie doch ein Minimum an Wert ausgeben sollten, damit wir nächstes Weihnachten nicht für unseren eigenen Geiz bestraft werden. Eine unendliche Qual, weil wir zu Weihnachten doch gerne mal unsere Ruhe haben wollen und nicht alle Bekannten und Verwandten an einem Tisch haben möchten, die wir das ganze vergangene Jahr entweder vernachlässigten oder weil wir deren wiederkehrende, im gleichen Trott leiernde Geschichten nicht mehr hören können. Kostbar.

Doch all das ist kostbar!
Wir haben nur verlernt es zu schätzen.
Wir haben dafür gelernt aus jeder Situation einen Zustand zu machen.
Einen Zustand der entweder genährt ist von Angst, Zorn, Neid, Eifersucht oder der oben erwähnten, inneren Qual.

[dropcap]M[/dropcap]enschen die zu Weihnachten nicht im Kreise ihrer Familie feiern können… weil sie krank sind und rund um die Uhr die Krankenhausluft einatmen, die einen stets daran erinnert dass man sich desinfizieren sollte, wenn man nur mal eine Türklinke angreift. Oder weil sie dieses Jahr alleine sind. Weil das Schicksal einen der vergangenen 365 Tage nutzte, um den einen Menschen aus unserem Leben zu reissen. Ganz unerwartet. Einfach so. Ohne Vorwarnung. Weil es nach wie vor Krankheiten gibt, die wir nicht einfach so heilen können. Weil es Leute gibt, die sich ohne Rücksicht auf andere Menschen in dieser Welt bewegen. Weil vielleicht auch einfach nur die Zeit gekommen ist. Für solche Leute wäre es kostbar, wenn sie an Weihnachten noch einmal diesen Menschen und dessen Nähe spüren könnten.

Was ist es für uns? Vom Weihnachtsbaum angefangen, über alle möglichen Geschenke, bis hin zur Weihnachtsgans die mit einem Rotwein vom Discounter serviert wird. Wissen wir das heute überhaupt zu schätzen, dass wir an diesem einen Tisch sitzen können und keine Zeit, keinen Gedanken damit verschwenden müssen, uns zu überlegen was wir essen könnten, weil unser Bauch schon seit Stunden knurrt? Es grenzt doch irgendwie an Ironie, dass zur gleichen Zeit Millionen Menschen auf dieser Welt auf der Flucht sind und kein Dach über den Kopf, kein Essen auf dem Tisch, keine Wärme auf der Haut, keine Zukunft vor Augen haben. Kostbar.

[dropcap]I[/dropcap]ch wurde jedes Jahr zu Weihnachten gefragt, was ich mir wünsche. Mittlerweile wissen jene Leute in meiner unmittelbaren Umgebung, die ich alle zu schätzen weiss, dass ich keine Wünsche habe die man mit Geld bezahlen könnte. Ich habe alles was ich brauche. Ich habe manchmal sogar zuviel. Wie viele Leute können das schon von sich behaupten? Die meisten wollen ja noch mehr. Das neueste Handy, den coolsten Klingelton, das beste PC/Konsolenspiel, das schönste Schmuckstück, den teuersten Urlaub… ich möchte von dem All nichts. Ich geniesse die Zeit die ich zur Verfügung gestellt bekomme. Die nicht einfach selbstverständlich ist. Jede Zeit ist kostbar und kann gegen kein Geld der Welt zurückgeholt werden. Meine Zeit. Die Zeit meiner Partnerin. Die Zeit meiner Familie. Die Zeit jener Leute die wir kennen und schätzen. Aber auch die Zeit der Leute, die es einfach nicht besser wissen und uns irgendwie auf den Nerv gehen. Denn auch sie haben eine Aufgabe in meinem/unserem Leben. Sie erinnern uns daran, dass es uns gut geht. Auch wenn wir mit diesen Menschen in Wahrheit keine Stunde allein verbringen möchten, sie sind es die uns daran erinnern, dass es auch anders sein könnte. Meist nicht im positiven Sinn gemeint.

Kostbar!
Es ist die Zeit, die so kostbar ist.
Es ist die Gesundheit die wir viel mehr schätzen sollten, weil wir einfach „hier“ sind. Weil wir nicht ans Bett gefesselt sind und vielleicht durch einen Schlauch ernährt werden müssen. Es sind die Seelen die uns umgeben und für uns da sind, wenn wir sie benötigen oder für die wir alles geben würden, weil sie uns so wichtig (geworden) sind. Es sind auch die Möglichkeiten die wir haben diese Welt ein klein wenig zu verbessern. Sie es durch Geld- oder Sachspenden, durch Blut- oder Knochenmarkspenden oder durch die ganz einfache Erfüllung von Wünschen von Menschen die wir gar nicht kennen. Wünsche die noch Hoffnung nähren. Wünsche die Halt geben. Wünsche die leuchtende Kinderaugen zaubern.

Das liebe Welt… das ist kostbar.
Mögen sich viele Menschen wenigstens zur Weihnachtszeit daran erinnern.
Mögen jene Wünsche, die ich dieses Jahr erfüllt habe (Debra Schemtterlingskinder, ALS & Caritas Christkindlaktion), den Menschen Hoffung und eine Zukunft geben.

 

photo credit: Markus Grossalber via photopin cc

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RonnyDee
RonnyDee"Wenn du tust, was du immer getan hast, dann wirst du bekommen, was du immer bekommen hast"
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