Top

Blumen und wir

Mein letzter Blogbeitrag ist sehr lange her.
Ich schreibe eigentlich nur dann über meine Gedanken, wenn es spezielle Anlässe gibt und ich mich in diese Welt der geschriebenen Worte flüchte. Und diese Erkenntnis ist nicht mal so alt. Letztendlich flüchten wir ja alle irgendwann einmal irgendwohin. Manche flüchten in die Musik, manche ins Lesen. Anderen wiederum flüchten in den Alkohol oder in diverse Suchtmittel. Manche flüchten in Tränen und Wut. Andere flüchten in die Arbeit. Aber es gibt niemanden auf der Welt, der noch nie geflüchtet ist und einfach einmal Abstand zu all den Dingen, Sorgen und Menschen haben möchte, die ihn belasten. Das sollte man sich stets bewusst sein.

Bewusst sein.
Ein Stichwort auf das ich immer wieder bei meinen Gedanken und Überlegungen stoße. Wir sind uns oft nicht bewusst, wie wir den Moment, den Tag oder sogar das Leben so verbringen. Aus unserer Vergangenheit heraus haben wir gelernt, dass wir eine gewisse Stärke besitzen und ein gewisses Ego vorweisen sollen. Das war früher so, bringt uns aber desto älter und reifer wir werden, nicht weiter. Denn mit zunehmenden Alter beschäftigen wir uns zwangsweise mit der Frage was uns denn wirklich glücklich macht und was uns wichtig ist. Aus meinen vorliegenden Blogbeiträgen wirst du feststellen, dass es eben nicht die materiellen Dinge wie Auto, Haus oder Wohnung oder Playstation oder X-Box, Handy oder Facebook-Freunde sind. Es sind andere Dinge die uns vorantreiben (sollten), wie der Respekt vor anderen Menschen, die Offenheit und Vielfältigkeit des Lebens, die eigene Gesundheit und die Nähe zu den Menschen die uns am Herzen liegen.

Doch letztendlich scheint die Liebe zu anderen Menschen irgendwie begrenzt zu sein. In der Phase der Verliebtheit tolerieren wir alle Macken des Gegenübers, wir finden sie lustig, aufregend und als willkommene Abwechslung stets interessant. Menschen können in ihrem Wesen, ihre Ausdrucksfähigkeit, ihrer Begeisterung und ihrer Weltanschauung so unterschiedlich wie die Blumen auf einer Blumenwiese sein. Von der Ferne betrachtet wirken sie alle gleich, überschaubar und harmonisch. Doch bei näherer Betrachtung werden wir feststellen, dass keine Blume der anderen gleicht. Manche bleiben verschlossen wenn ein Sonnenstrahl sie berührt, andere gehen in ganzem Herzen auf. Manche Blumen kommen nur wenige Zentimeter aus der Erde, andere wiederum wachsen über sich hinaus als ob es keinen Grenzen gibt. Es gibt Blumen die einen Duft versprühen, der alle schönen Erinnerungen in uns auslöst, andere wiederum ekeln uns an. Manche Blumen ziehen Insekten an, andere fressen sie. Genau wie wir Menschen sind Blumen unglaublich vielfältig und eigensinnig… und wir würden wohl nie auf die Idee kommen und einer Blume sagen was sie zu tun hat und wie sie es zu tun hat. Da unser Verstand genau weiß, dass dies gar nicht möglich ist.

Warum also glauben wir dann stets, dass wir einem Menschen sagen was er/sie zu tun hat? Woher kommt dieses unausgesprochene Recht, dass man Menschen korrigieren und für Fehler verurteilen müsste? Hat nicht jeder Mensch auf dieser Erde eine gewisse Sichtweise und Reaktion in jeder Situation, die er/sie nur schwer ändern kann, weil seine Vergangenheit ihm zeigt dass dies der richtige Weg ist/war? Scheint irgendwie logisch und einsichtig zu klingen, ist es aber eben nicht. Den ganzen Tag kann man Menschen beobachten, wie sie andere Menschen zurecht weisen. Sei es im Job wo der Chef eben den Chef raushängen lässt, sei es im Einzelhandel wo Verkäufer von den scheinbar dummen Fragen der Kunden genervt sind, sei es auf der Straße wo man die Augen vor Punks, Ausländer oder Bettlern überdreht. Es finden sich unzählige Situationen in denen wir Blumen, die uns nicht zu Gesicht stehen, gedanklich einfach ausreißen, ohne dass wir diese genauer betrachtet haben und die Geschichte dahinter zulassen. Und dann, wenn wir alle diese unerwünschten Blumen ausgerissen haben, dann ärgern wir uns weil wir uns erstens damit beschäftigten mussten und zweitens weil vielleicht irgendwo wieder eine unerwünschte Blume auftaucht. Tatsache ist aber, dass diese scheinbar unerwünschte Blume von den anderen Blumen angenommen wird. Denn die anderen Blumen haben dieser Blume Platz zum Leben gegeben. Sie akzeptiert.

Wenn dann die Jahre verstrichen sind, in denen wir uns Tag für Tag über diese unerwünschten Blumen aufgeregt haben und trotzt unzähliger Verbesserungsratschläge keinen Erfolg verzeichnen konnten, dann wird sich der eine oder die andere vielleicht einmal fragen, ob es denn wirklich die Blumen sind, die uns zu diesem Denken und diesem Handeln führen. Denn in Wahrheit gibt es keine erwünschten und unerwünschten Blumen. Es gibt nur Blumen. Und jede Blume ist in ihrer Art, in ihrem Wachstum, in ihrem Aussehen und Duft einzigartig. So wie wir Menschen.

Und wenn ich nun behaupte, dass jeder Mensch seine eigene Wahrheit für seine Blumen entwickelt, so behaupte ich auch dass jeder Mensch seine eigene Wahrheit für seine Mitmenschen entwickelt. Und die Wahrheit ist, dass wir oft nur das sehen was wir sehen wollen. Wie bei unserer Lieblingsblume. Die Geschichte dahinter interessiert uns kaum, könnte aber für die eigene Wahrheit enorm viel beitragen. Das z.B. Menschen die den ganzen Tag schlecht drauf sind, z.B. alleine sind und gerne mit Jemandem reden würden, dass Menschen die dem Alkohol verfallen sich innerlich dafür schämen und ein anderes Leben führen möchten, dass Menschen die arrogant wirken viel Angst vor Ablehnung oder Kritik haben. Es gibt für jedes Verhalten eine bestimmte Geschichte dahinter. So wie es für jede Blume einen gewissen Nährstoff gibt, der sie antreibt. Manche mögen die Sonne, andere eher den Schatten. Manche mögen Geselligkeit, anderen brauchen ihren eigenen Topf.

Doch letztendlich haben uns Blumen eines voraus… sie stellen sich niemals selbst in Frage, wenn jemand der Meinung ist, dass sie nicht ins Bild passen. Sie blühen trotzdem mit der Kraft, die sie aufbringen können. Wir Menschen, wir suchen die Schuld dann bei uns selbst, obwohl auch wir viel Kraft in uns haben, die uns zu Unglaublichen vorantreiben können.

Tränen und Wut, Musik oder Lesen, Arbeit oder Alkohol – wenn es dir für diesen Moment hilft, dann bereue es nicht. Doch flüchte nicht in diese Welt der Abkapselung, sondern wisse dass du allein für deine Blüte und dein Wachstum verantwortlich ist. Sonst niemand.

Nicht einmal der Gärtner.

Author Profile

RonnyDee
RonnyDee"Wenn du tust, was du immer getan hast, dann wirst du bekommen, was du immer bekommen hast"
Ich blogge hier über alle Themen mit denen ich in Berührung komme. Möchtest du wissen, warum ich so denke was ich schreibe, dann findest du unter "Über mich" mehr Informationen über mich und mein Leben
Latest entries
No Comments

Post a Comment

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .