Top
Sichtreise / Blog  / Dialog mit Facebook

Dialog mit Facebook

Lange ist es her, als ich noch aktiv auf Facebook unterwegs war und gespannt meine Timeline aufmachte um von irgendwelchen Posts erschlagen zu werden, die mir sagen was ich heute gewinnen könne, wie verrückt die ganze Welt überhaupt sei und was Freunde oder deren Freunde so in ihrer Freizeit machen. Vielerlei Informationen die mich auf die eine oder andere Weise beeinflussten und so auch mein Denkmuster nach und nach umprogrammierten, ohne es zu erahnen, geschweige denn es zu wissen. Auf diese Tatsache kommt man erst einmal drauf, wenn man so wie ich mehr als zwei Jahre nicht mehr auf Facebook aktiv ist. Quasi sein Profil deaktiviert. Eine Sendepause von diesem Propagandakanal einlegt.

In dieser Zeit habe ich vieles Abseits von Facebook oder den sozialen Medien erfahren und erlebt. Und die meisten Dinge wissen meine Freunde nicht mal, weil ich es eben nicht gepostet, sondern wenn überhaupt in persönlichen Gesprächen erzählt habe. Das sind übrigens auch jene Momente an die ich mich gerne zurückerinnere, weil man dann in einer besonderen Umgebung (Cafe, Park oder auch Firma) zugegen ist und zusätzlich auch von seinem Gegenüber etwas erfährt. Ganz im Gegensatz zu Facebook. Hier findet primär ein Monolog statt. Man glaubt man tritt in einen Dialog wenn man ein Like bekommt oder jemand den Post teilt bzw. kommentiert. Doch ein Dialog besteht im Wesentlichen aus gewissen Bausteinen, wie unter anderem

  • Zuhören als das auf sich wirken Lassen des Gehörten aus einem inneren Schweigen heraus.
  • Respektieren als das Verzichten auf jede Form von Abwehr, Schuldzuweisung, Abwertung oder Kritik gegenüber den Dialogpartnern.
  • Suspendieren als Erkennen und Beobachten eigener Gedanken, Emotionen und Meinungen, ohne in eine Fixierung zu verfallen.
  • Artikulieren als das Finden der eigenen, authentischen Sprache und des Aussprechens der eigenen Wahrheit.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Dialog

Nichts davon habe ich in meiner aktiven Zeit auf Facebook erfahren, sondern lediglich in meiner Zeit ohne Facebook. Das ist für mich persönlich eine sehr spannende Erkenntnis, da darin nämlich die Ursache begründet ist, warum die Kommunikation auf Facebook bzw. in unserer Zeit so schwer fällt bzw. vermisst wird. Daraus ableitend habe ich auch festgestellt, dass es nicht unbedingt besser ist wenn man stets über alles informiert ist. Vor allem Nachrichten und Zeitungen tragen zu unnötigem Wissen und ungerechtfertigten Meinungsäußerungen bei. Meine Welt war die letzten Monate sehr heil und ruhig. Ich habe bestimmt von was ich mich leiten lasse und ich habe für mich meine Wahrheiten gesucht. Natürlich ist es tragisch wenn man von Terror, Unfällen oder absurden Aktionen der Mitmenschen hört, doch die Frage ist für mich: In wie fern kann ich mit dieser Information etwas anfangen und besten Falls sogar etwas ändern?

Das bringt mich zu dem nächsten Punkt, der mir sehr am Herzen liegt: Leben

Jeden Tag möchte irgendein Arzt, Wissenschaftler, Forscher oder eben einfach nur ein Besserwisser uns verkünden, was nicht alles tödlich, krebserregend oder schlecht für unsere Gesundheit ist. Mit Facebook bekommt man solche Informationen übrigens zu Hauf. Doch dahingehend sollten wir uns bewusst sein, dass das Leben grundsätzlich tödlich endet. Und es kann man 20 Jahren vorbei sein, oder mit 40… oder mit 80. Letztendlich werden wir stets der Meinung sein, dass es zu früh war, weil wir uns darauf konzentriert haben, es Jedem recht zu machen. Insbesondere Personen die uns nicht mal kennen. „Es gibt nur einen Weg, um Kritik zu vermeiden: Nichts tun, nichts sagen, nichts sein.“, Aristoteles

Abraham Lincoln  sagt bereits „Es sind nicht die Jahre deines Lebens, die zählen. Was zählt, ist das Leben innerhalb dieser Jahre.“ – Heißt im Umkehrschluss: Natürlich kannst du dich zur Gesundheit quälen indem du Sport machst, den du nicht machen willst oder nur gesundes Essen ist, dass dir eigentlich nicht schmeckt – die Frage ist, war es das wert wenn du plötzlich aus dem Leben gerissen wirst, weil es eben so passiert? So lange man nichts mit Liebe und Freude macht, ist es vergeudete Lebenszeit. Finde die Freude in deinem Leben.

Ich habe für mich viel Freude gefunden… ganz ohne Social Media. Ein Buch in Ruhe zu lesen, die Lieblingsmusik zu hören und dabei auch mehr oder weniger falsch mitzusingen, sich Fortzubilden, Wissen zu vermitteln und neue Denkansätze zu fördern, einfach nurmal Zuzuhören, Spazieren zu gehen und die Welt bewundern, verschiedenen Meinungen zu lauschen, ein selbstgekochtes Essen zu genießen, den Tag ausklingen zu lassen und vieles mehr. Und niemand hat dabei das Recht, dir die eine oder andere Sache schlecht zu reden oder neidisch daruaf zu sein. Denn jeder ist seines Glückes Schmied.

Aktuell bin ich wieder auf Facebook… mit weit weniger Intensität als vorher. Aber man kann sich halt leichter sozial „vernetzen“ – obwohl ich eben den Eindruck gewonnen habe, dass man vieles mißinterpretiert und eine größere Distanz durch Monologe aufbaut. Wer weiß also, wie lange ich dort wieder bin… aber wenn es hilft sich in der realen Welt besser zu finden um sich dann auszutauschen, soll es mir Recht sein.

Author Profile

RonnyDee
RonnyDee"Wenn du tust, was du immer getan hast, dann wirst du bekommen, was du immer bekommen hast"
Ich blogge hier über alle Themen mit denen ich in Berührung komme. Möchtest du wissen, warum ich so denke was ich schreibe, dann findest du unter "Über mich" mehr Informationen über mich und mein Leben
Latest entries