Wenn dubiose Rechnungen ins Haus flattern

Am Anfang

So kurz vor Weihnachten ahnt man eigentlich nichts mehr Schlimmes. Man ist irgendwie schon auf Heilig Abend eingestimmt und froh wenn man alle Geschenke soweit besorgt hat und alle Vorbereitungen für Familie und Verwandten getroffen hat. Umso erstaunter war ich, als ich in meinem Briefkasten einen Brief aus Deutschland erhielt.

Genauer gesagt von der agentur59 die unter www.agentur59.de erreichbar ist.
Ich hatte eigentlich keine Verbindung mit diesem Namen in meinem Kopf. Aber mir wurde durch drei DinA4 Briefe auf die Sprünge geholfen. Kurzum befand sich folgende Information mit dem Titel „Verwendung unseres Bildmaterials“ darin:

Die Rechnung

Ich habe auf einer meiner Blogseiten (nämlich: https://www.sichtreise.at/tutorials/htmlphp/2014/09/php-tutorial-schritt-16-arrays/) ein Bild verwendet, dass ohne Lizenz oder Urheberrechtshinweise durch mich verwendet wurde. Die agentur59, die übrigens auch dem Fotograf gehört der das Bild gemacht hat (welch Zufall), sieht aber kulanter Weise von einer Abmahnung via Rechtsanwälte ab und stellt mir einfach eine Verwendungsgebühr in der aktuellen Höhe von € 240,75 in Rechnung. Zahlbar innerhalb von 14 Tagen.

Ich wurde natürlich auch auf Kontaktinformationen hingewiesen sollte ich Fragen haben oder der Meinung sein, dass es sich um ein Missverständnis handelt. By the way: Damit natürlich alles geregt abläuft gibt es seitens agentur59 auch einen eigenen Loginbereich inklusive persönlichem Zugangscode. Dort kann man nochmal alle Dokumente abrufen, den persönlichen Sachbearbeiter einsehen und via Paypal oder Klarna ganz einfach sofort bezahlen.

Praktisch oder?

Die Reaktion

Nun denn… ich habe Gott sei Dank schon einige Erfahrungen mit merkwürdigen Rechnungsforderungen gemacht. Deshalb habe ich mir dafür schon folgende Regeln zurecht gelegt:

  1. Keine Panik!
  2. Keine Panik!
  3. Keine Panik!
  4. Eine Nacht drüber schlafen
  5. Nachdem Punkt 1 bis 4 dann erledigt ist, führt man zuerst mal eine Bestandsanalyse durch – sprich um was geht’s?
  6. Prüfen ob der Andere wirklich zu 100% Recht hat
  7. Nochmal prüfen ob der Andere wirklich zu 100% Recht hat
  8. Gegenmaßnahmen einleiten, gegebenenfalls mit professioneller Hilfe (ich empfehle stets einen Rechtsschutz)

In diesem Fall ist das ganze Schreiben ein Witz und gar nicht bindend.
DENN: Auf meiner Seite wird (bzw. wurde) ganz unten die Quelle zitiert und auch der Fotograf genannt. Sprich die Behauptung ich hätte keine Kennzeichnung des Bildes durchgeführt ist schon mal falsch. Zweitens erfolgt in dem Schreiben keine Information woraus sich der Betrag tatsächlich zusammensetzt. Und drittens erfolgt auch keine Information darüber ob ich nach der Bezahlung eine Lizenz erworben habe oder nicht oder was grundsätzlich dann von mir erwartet wird.

Folgende Tools verwende ich als Beweissicherung für WebseitenInhalte:

Diese Tools erlauben einen Screenshot einer Webseite inklusive Download des Bildes oder Zugang via Link. Übrigens, noch ein Witz am Rande… wer nun natürlich via Google nach „agentur59 abmahnung“ sucht, wird auch mit den Seiten

http://agentur59.de/blog/2017/06/06/abmahnung-auch-bei-pixabay-moeglich/ und http://agentur59.de/blog/2016/08/15/abmahnung-von-tim-reckmann-agentur59/ konfrontiert, auf dem dieselbe Agentur, also agentur59, gerne Aufklärung betreibt und sich als sehr hilfsbereit und kooperativ darstellen möchte:

So verschicken wir täglich dutzende E-Mails, die Webseitenbetreiber, Zeitungen, Blogger und Firmen darauf hinweisen, dass sie etwas falsch gemacht haben. Dabei verzichten wir in dieser üblicherweise verschickten E-Mail ausdrücklich auf ein Honorar, sondern fordern lediglich eine kurzfristige Nachbesserung. Glücklicherweise kommen fast alle angeschriebenen Personen und Firmen dieser Forderung nach.

So ein Mail habe ich nicht bekommen, geschweige denn ergoogeln können. Dann geht natürlich agentur59 einen kooperativen Schritt weiter, wie man sieht:

Es kommt jedoch vor, dass auf unsere nett gemeinten E-Mails nicht reagiert wird. Auch dann lassen wir den Anwalt erst einmal außen vor und schreiben die Bildverwender postalisch an. Oft stellt sich dann heraus, dass man lieber eine Gebühr für die Verwendung von Bildern zahlt, als den Namen des Urhebers zu benennen

Die wirkliche Reaktion

Also wirklich sehr nett, oder?
Insofern erfolgt folgende Rückantwort per Mail UND Post am 20.12.2018 an agentur59:

Sehr geehrtes Team von agentur59,

ich habe ihr Schreiben mit der Vorgangsnummer 54B7058 erhalten.

Sie beschuldigen mich ein Bild aus ihrem Repertoire verwendet zu haben, dass unter der Url https://www.sichtreise.at/tutorials/htmlphp/2014/09/php-tutorial-schritt-16-arrays/ ersichtlich ist (bzw. war) und verlangen von mir eine nachträgliche Lizenzgebühr in der Höhe von EUR 240,75 da angeblich der Verweis von Copyright bzw. Urheberrechtshinweisen fehle.

Tatsache ist, dass dieses Bild wie auf der oben angeführten Seite ganz unten sehr wohl über Copyright bzw. Urheberrechtshinweise verfügt und auch die Nennung des Fotografen inklusive Link auf die Quelle https://www.flickr.com/photos/foto_db/12165446356/ aufweist.

Die Behauptung ich hätte ihr Bild demzufolge missbräuchlich oder ohne Nennung der Quelle und/oder des Eigentümers verwendet ist demzufolge falsch und ihre Forderungen sind unangebracht und als gegenstandslos zu betrachten.

Unabhängig davon ist die Seite https://www.sichtreise.at/tutorials/htmlphp/2014/09/php-tutorial-schritt-16-arrays/ einstweilen gesichert und das Bild ausgetauscht worden. Weiteres ist auch die Quellseite https://www.flickr.com/photos/foto_db/12165446356/  für etwaige Beweisführungen entsprechend gesichert worden, da das Bild dort als Attribution-NonCommercial-ShareAlike 2.0 Generic (CC BY-NC-SA 2.0) https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/ eingestuft ist. Es liegt zudem auch der Anschein nahe, dass dies eine entsprechende Routine von ihnen ist, nämlich Bilder mittels Creative Commons Lizenzen verfügbar zu machen um dann Personen abzumahnen oder Beträge in Rechnung zu stellen. Deshalb überlege ich mir hier selbst rechtliche Schritte gegen ihre Agentur einzuleiten.

Als Beispiel dafür möchte ich sie auch gerne auf die Webseite https://www.tellows.de/num/02385706850#553598 verweisen, die ja bereits einige Erfahrungen mit ihnen auflistet.

Ich erwarte mir eine Stellungnahme von Ihnen innerhalb der nächsten 14 Tage, spätestens jedoch zum 04. Jänner 2019. Dieses Schreiben wird auch via Post an Sie übermittelt.

Mit (noch) freundlichen Grüßen

Die Antwort

Die Antwort lies nicht lange auf sich warten.
Kurzum wolle man wissen wo der Fotograf verlinkt sei, da ich ja diese Seite schon offline genommen bzw. verändert habe und man es auf dem selbst angefertigtem Screenshot nicht erkennen könne…

Ich habe dann nochmals darauf geantwortet, dass dies ganz unten am Ende der Webseite der Fall wäre und sich auch der Benutzernamen des Fotografen in der Zwischenzeit wohl geändert habe.

Daraufhin hat man mir den Betrag, auch weil Weihnachten wäre, wieder gut geschrieben und die Angelegenheit als erledigt betrachtet.

Fazit

Spannend, oder?
Deshalb nochmals mein Rat an alle die so eine ähnliche Situation erleben oder bald erleben werden: Lasst euch nicht unterkriegen und fordert euer Gegenüber heraus. Vor allem mit Beweisen. Ich glaube niemand von uns hat einfach so Geld zu verschenken. Also lasst euch durch idiotische Zahlungsaufforderungen auch nicht dazu nötigen!