Wir sind alle Greta – aber wir bekommen keinen Preis dafür
Greta Thunberg ist nun wohl schon allen ein Begriff. Oder besser ein Inbegriff. Ein Inbegriff der neuen Generation die sich, vor allem in Sachen Umweltschutz, nicht mehr an der Nase herumführen lässt und eine Grenze zieht die man besser nicht überschreiten sollte. Soweit der O-Ton der 16jährigen Aktivistin aus Schweden. Sie spaltet vor allem im Jahre 2019 die Gemüter. Viele applaudieren ihre Auftritte, andere wiederum sehen in ihr nur ein verstörtes Kind. Fakt ist, dass sie wie wir alle ein Mensch mit eigener Meinung ist. Und diese Meinung tut sie kund. Ohne Angst, ohne Zweifel und ohne sich darüber Gedanken zu machen was die Folgen sind. Denn „die Kindheit und Träume wurden ihr bereits gestohlen“.

Was mich an dem Phänomen Greta Thunberg fasziniert ist die Tatsache, dass ein 16jähriges Mädchen ihre Wut gegenüber der älteren Generation einfach aussprechen kann und dafür applaudiert wird. Das ist jetzt nicht wertend gemeint, sondern einfach ganz objektiv betrachtet faszinierend.

Meiner Generation wurde stets eingetrichtert, dass ältere Personen immer mit Respekt zu behandeln sind. Widerspruch und Widerrede waren etwas das mit Sanktionen bestraft wurde. In welcher Form auch immer. So wurden ganze Generationen erzogen und mundtot gemacht. Ja mundtot! Das ist mitunter der Grund warum Personen ab 30 Jahren nach wie vor eine innere (und meist auch sichtbare) Panik bekommen, wenn sie mit der Polizei oder Ranghöheren wie Direktoren einer Schule, dem Vorgesetzten oder ähnlichem konfrontiert werden. Menschen die jünger sind als 30 haben diese Ehrfurcht nicht mehr so stark. Weshalb es; so ganz nebenbei; immer wieder zu Diskussionen zwischen jungen Eltern und Lehrerinnen bzw. Lehrern kommt, wenn das Kind ungenügende Leistungen in der Schule bringt. Und immer wieder finden diese Diskussionen auch über die sozialen Plattformen öffentlich statt. Früher hat es das in dieser Form nicht gegeben.
Doch zurück zur Generation Greta Thunberg. Was genau lernen wir aus diesem Hype?
Wird es denn plötzlich geduldet, wenn jemand den Politikerinnen und Politikern ungefiltert die Meinung sagt? So sehr, dass man dafür sogar einen Preis bekommt? Denn das Aufwachen, wie es viele Medien bezeichnen war bis lang nie gewünscht. Von niemanden. Wieso also plötzlich von einer 16 jährigen Schülerin die auf der Welt herumgondelt und sich bestenfalls als Wutbürgerin klassifiziert? Und objektiv betrachtet macht sie auch nichts anderes. Sie versucht die Bevölkerung der Welt bzw. die „bessere“ Bevölkerung der Welt, die sogenannten Leader „wachzurütteln“. Was meines Erachtens vergebens ist, da hinter der Welt retten kein Geschäft zu machen ist. Geschäfte macht man durch Kauf und Verkauf von Produkten wie Öl, Kaffee, Medizin, Fleisch, und vielem mehr. Aber nicht durch das Pflanzen von Bäumen, sofern sie nicht zu Weihnachten wieder verkauft werden können…

Aber um an Greta Thunbergs Wut und Rede, die ich teilweise verstehen aber nur Bedingt nachvollziehen kann, anzuknüpfen möchte auch ich mal ein Resümee meines bisherigen Daseins auf dieser Welt vortragen. Meine so genannte Rede richtet sich an einige meiner ehemaligen Lehrerinnen und Lehrer, Politikerinnern und Politiker die ich gewählt habe, Mitmenschen die sich als falsche Freunde entpuppten oder unter falschen Tatsachen meine Zeit gestohlen und mir viele Nerven gekostet haben. Nehmt diese Rede nicht zu ernst, sie ist gespickt mit Sarkasmus, Ironie (vor allem Selbstironie) aber auch dem einen oder anderen Fünkchen Wahrheit.

Meine Botschaft ist, dass ich mich nie bei euch bedankt habe. Das hier hat alles so kommen müssen. Ich könnte jemand ganz anderer sein, aber ihr habt mich zu dem gemacht den ihr heute gegenübersteht und diese Zeilen zu verdanken habt.

Eure abwertenden Blicke und sinnbefreiten Kommentare hinter eurer falschen Freundlichkeit habe ich oft genug ertragen müssen. Wie könnt ihr es wagen stolz auf eure Leistung und euren Ruf zu sein, wenn ihr ohne Rücksicht auf Verluste jede Hoffnung, jeden Traum und Andersdenkenden im Keim erstickt und nur an eurer persönliches Wohlbefinden und euren Wohlstand bedacht seid.

Wir stehen am Anfang einer Welt die von Leuten regiert, kontrolliert und bevölkert wird die ohne unzählige Sicherheitshinweise, starren und veralteten Spielregeln und Gesetze sowie unflexiblen Prozessen und ewiger Kriege und Streitereien keinen Tag heil überstehen könnten. Wie könnt ihr es wagen zu glauben, dass die Welt sich zu einem besseren entwickelt, wenn Talente nicht gefördert werden, Unterrichtstunden durch alte und unsinnige Lehrinhalte über Jahre hinweg gepredigt, Berufe und deren Positionen durch Vitamin B(eziehung) besetzt, Kranke und alte Leute entweder via Medikamente gemolken oder zum Sterben alleine gelassen werden und Eltern für die Erziehung ihrer Kinder nicht zur Rechenschaft gezogen werden wenn sie diese vernachlässigen?

Würdet ihr diese Situation wirklich verstehen und würdet so weitermachen wie bisher, dann wärt ihr egoistisch, selbstsüchtig und gierig. Und ich glaube das auch, weigere mich aber das zu akzeptieren.

Wie könnt ihr es wagen zu glauben, dass ihr jedem Menschen vorschreiben könnt wie dieser sein Leben zu leben hat? Ihn daran zu hindern etwas neues zu entdecken und sich selbst zu entwickeln um den Fortschritt der gesamten Menschheit ins positive zu beeinflussen. Ihr diskutiert lieber über schlechte Schüler, anstatt eure Unterrichtsmethode zu ändern. Ihr verhängt lieber Strafmandate über zu schnelles Fahren, anstatt Autokonzerne abzustrafen die mit falschen Daten werben und Konsumenten täuschen. Ihr verspritzt lieber Gift auf Gemüse und Obst anstatt nachhaltige Landwirtschaft zu fördern. Ihr saugt unser Pensionssystem für unsinnige Projekte aus, anstatt jedem Mitmenschen ein sicheres und sorgenfreies Alt werden zu ermöglichen. Ihr bestraft lieber Mitbürger mit unsinnigen Steuerformularen und Nachweisen, anstatt Firmen zu verfolgen die kaum Steuern in unserem Land zahlen und wissen wie man diesem Regelwerk entgehen kann. Ihr setzt lieber auf Titel und Diplome anstatt jenen Menschen den Weg zu ebnen, die eine Grundbegeisterung für ihr Tun und Handeln mitbringen. Ihr lehrt uns ein ganzes Leben lang alle Aktivitäten von Menschen die auf scheinbar besseren Positionen sitzen, weil sie da nun mal sitzen, zu akzeptieren und zu ertragen. Ihr seid jedoch immer noch nicht reif genug zu verstehen, dass dies mehr schadet als nutzt.

Alle kommenden Generationen werden durch Handys und Selfies, durch Likes und Follower, durch Influencer und aberwitzigen Marketingslogans immer weiter in die Irre geführt. Die Welt sollte aufwachen, tut sie aber nicht. Weil ihr täglich euer Bestes dazu beiträgt um all das zu fördern um es letztendlich in 10-20 Jahren zu verurteilen.

Danke dafür, dass ich euch als Lehrmeister kennenlernen durfte damit ich die Sichtweise habe, die notwendig ist um aus diesem Teufelskreis ausbrechen zu können.

Was bleibt nun von dieser Rede?
Ich habe versucht einige Passagen von Gretas Rede zu übernehmen und zu übertragen. Im Grunde genommen habe ich ebenso viele Fakten und Beschuldigungen vorzuweisen wie auch Greta selbst. Doch was bringt es mir? Was bringt es Greta? Letztendlich bin ich wirklich froh über jeden Menschen der mir im Leben begegnet ist. Manche verbinde ich mit positiven Gedanken, andere wiederum mit eher negativen. Aber jede Begegnung hatte seine Rechtfertigung und den Einfluss auf mich, den ich zum jeweiligen Zeitpunkt benötigte. Was das mit Greta zu tun hat? Das es leichter ist, etwas schlecht zu reden und zu verteufeln anstatt etwas selbst zu verändern, daraus zu lernen und zu wachsen und letztendlich andere dafür zu begeistern (nicht fanatisch wohlgemerkt).  Vor allem letzteres. Begeistern. Das ist das, was in unserer Zeit nur noch in Verbindung mit Fussball, Netflix Serien und Spielekonsolen bzw. Handys in Verbindung gebracht werden kann.

Wenn uns alle der Umweltschutz so wichtig wäre, dann bräuchten wir keine Politiker die daran etwas ändern, sondern wir hätten es selbst in der Hand. Wir haben es sogar selbst in der Hand. Jeden Tag. Auch mit kleinen Änderungen. Die folgende Liste ist nur mal ein Gedanke und wird von meiner Freundin und mir nahezu zu 90% umgesetzt. Und das ist keine Aufforderung, dass du das jetzt auch machen sollst. Ganz im Gegenteil. Finde etwas mit dem du für dich zufrieden bist und positioniere dich dann mit deiner Meinung so, dass dein Tun und Handeln im Einklang damit steht. Nicht nur beim Umweltschutz übrigens 🙂

  • Nicht jeden Tag Fleisch essen und wenn überhaupt dann auf die Herkunft achten und vielleicht zum nächsten Metzger spazieren – und ja, es ist etwas teurer als das Fleisch vom Discounter, aber es tut eurem Körper auch besser, als jenes Fleisch das mit Medikamenten und Gammelfutter hochgezogen und gemästet wurde. Denn das landet letztendlich auch wieder in eurem Körper. Egal wie lange ihr es kocht oder grillt.
  • Eher zu Artikel greifen die in Glas bzw. Papier als Plastik verpackt sind – Plastikmüll vielleicht auch wieder zurück zum Geschäft bringen, immerhin steuern sie maßgeblich worin etwas verpackt ist
  • Waschmittel nutzen die von der Umwelt aufgenommen werden können – und ganz nebenbei auch vom eigenen Körper
  • Keine Schnittblumen mehr kaufen – Schade um die Blumen die nur 3-4 Tage zu betrachten sind. Wie wäre es mit Topfpflanzen?
  • Nicht jede Woche mit dem Auto in die Waschanlage fahren
  • Produkte von Bio-Bauern fördern, so dass sie gestärkt werden und sich weiterentwickeln können
  • Mehr digital lesen als jede Tageszeitung für 1h zu abonnieren und in den Händen zu halten – schon mal überlegt was das für Unmengen an Papier jede Woche sind?
  • Nicht Klamotten kaufen, die man nur 1x tragen kann – Gratulation von meiner Seite aus an die Modeketten die dies fördern und unterstützen *sarkasmus*
  • Und vieles mehr

Und um an meine eigene Rede anzuknüpfen:

  • Bildet euch weiter. Wenn möglich jeden Tag. Lest Bücher, besucht Kurse, glaubt nicht alle Nachrichten und Meinungen
  • Kämpft für eure Meinung. Steht dafür auf, wenn ihr Ungerechtigkeit erkennt und verspürt
  • Verurteilt nicht. Jeder Mensch hat eine eigene Meinung, meist begründet durch seine Erfahrungen
  • Schenkt Likes, Followern und Influencern nicht zu viel Aufmerksamkeit… sie sind nicht das, was am Ende zählt
  • Verbringt Zeit mit euren Kindern und Eltern. Zeit ist das kostbarste was wir auf dieser Welt besitzen. Nicht Geld.
  • Entdeckt das Schöne auf dieser Welt. Es ist allgegenwärtig.
  • Scheißt nicht auf alles, was euch gegeben wird… manches kann man auch länger nutzen, verschenken oder zweckentfremden
  • Lasst die Dummen nicht an die Macht kommen. Blickt hinter die Fassade und bietet ihnen Einhalt
Aber wie gesagt… es ist leichter sich über etwas zu beschweren als selbst etwas zu verändern und zu begeistern. Wir sind letztendlich alle wie Greta. Wir könnten es ändern. Wir könnten wenn wir wollten oder müssten. Aber wir wollen es nicht und wir müssen es noch nicht. Und deshalb bekommen wir auch noch keinen Preis dafür. Aber die Rechnung, die wird bereits vorbereitet. So oder so.