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Anonym surfen… ja klar

Immer wieder lese ich es, immer wieder bringt es mich zum Schmunzeln. Die Rede ist von “anonym surfen”, dass gerade bei Skandalen mit Daten und Dokumenten gerne wieder zitiert, aufgewärmt und den Leuten vorgesetzt wird. Um dich nicht länger auf die Folter zu spannen, wie man letztendlich anonym surft und alles im Internet machen kann, ohne dass du Spuren hinterlässt, sage ich dir bereits jetzt: Es ist nicht möglich!

Aber…

… man kann ja den Browser so einstellen, einen Proxy-Server (ein eigener Server, der deine Identität unterdrückt) verwenden und den PC mit eigenen Programmen bereinigen, oder? Ja klar, kann man. Aber man kann NICHT auf die Webserver der Webseiten die du besuchst und die Knoten des Internetproviders zugreifen. Und diese kleinen Dinger speichern oft mehr als dir lieb ist. Auch wenn du es zu verschleiern versuchst.

Welche Daten dass z.B. so sind, kannst du auf der Webseite www.anonym-surfen.com/anonym-surfen-test einsehen.

Warum gibt es kein anonymes Surfen?

Das Grundprinzip ist relativ einfach erklärt: Jeder PC, jedes Smartphone, jeder Laptop benötigt eine IP-Adresse um im Internet Daten auszutauschen. Ohne eine IP-Adresse kann man nicht surfen. Diese erhält man in den meisten Fällen ganz automatisch von seinem Provider. Sei es A1, UPC, O2, 1und1 oder von wem auch immer. Diese IP-Adresse ist immer (!) eindeutig und dem jeweiligen Kunden stets zuordnungsbar. Das heißt, eine IP-Adresse bekommt man wenn man sich ins Internet verbindet und der Provider (dort wo du deine Rechnungen fürs Surfen bezahlst) kann für diesen Zeitraum die IP-Adresse zu deinen Kundendaten zuordnen. Ach ja, so ganz nebenbei gibt es ja auch Gesetze die das Speichern dieser Daten nicht so richtig erlauben bzw. regulieren wollen. Im deutschsprachigen Raum ist dies unter dem Begriff “Vorratsdatenspeicherung” bekannt. Fakt ist aber, dass der Provider in jedem Fall wissen muss (!) welche IP-Adresse ein Kunde zu welchem Zeitpunkt hat. Das hat Vorteile und Nachteile. Vorteile liegen z.B. darin, dass User sich in Foren schon öfters geoutet haben, sich das Leben zu nehmen. Macht man das, so kann man zu 90% sicher sein, dass innerhalb von kürzester Zeit (max. 24 Stunden) die Polizei vor der Haustür steht.

Die Nachteile liegen auf der Hand: Man ist jederzeit, von überall zuordnungsbar. Man hinterlässt seine Spuren, egal ob gewollt oder ungewollt. Und das nicht nur per IP-Adresse, sondern auch über alle möglichen Daten wie z.B. verwendete Browserversion, Auflösung deines Monitors, besuchte Seite, verwendetes Betriebssystem, und vieles vieles mehr.

Warum das Ganze?

Tja, warum gibt es das alles und warum ist das doch irgendwie erlaubt? Ganz einfach, weil wir Menschen grundsätzlich sehr neugierig sind und möglichst viele Menschen beeinflussen wollen. Wir wollen z.B. wissen für was sich jemand interessiert und mag (bestes Beispiel: Facebook Likes und Kommentare oder Twitter Retweets) und wir möchten einen Vorteil daraus ziehen (z.B. um ein Produkt zu verkaufen oder zu bewerben). Und dahinter steckt eine sehr sehr große Marktwirtschaft, die alles daran setzt noch mehr von ihren Kunden zu erfahren um die Produkte noch besser zu bewerben und so den Umsatz noch höher ansteigen zu lassen. Grundrechte und Gesetzte sind da nur als Steine die im Weg liegen anzusehen. Und wenn wir uns ehrlich sind, jeder ist neugierig: Oder wolltest du noch nie wissen, warum eine Feuerwehr 2x bei dir mit Blaulicht vorbei fährt oder dutzende Einsatzfahrzeuge an einem Unfall ihren Einsatz verrichten?

Aber da gibt es doch noch…

einen Proxyserver: Klar gibt es den. Dieser hat ja die Aufgabe, deine ursprüngliche IP-Adresse gegen seine eigene IP-Adresse auszutauschen. Sprich, surfst du z.B. www.google.at an, so erkennt Google deine IP-Adresse wie z.B. 88.104.20.10 – Verwendest du einen Proxyserver der z.B. die Ip-Adresse 154.35.23.104 besitzt und surfst nun Google an, so scheinst du dort mit der IP-Adresse 154.35.23.104 auf und nicht mit deiner ursprünglichen IP-Adresse. Das ist schon besser, als mit deiner ursprünglichen IP-Adresse zu surfen, aber der Proxy-Server wird ja auch von irgendjemanden betrieben und dieser kann sehr wohl einsehen, wer du bist und gegebenenfalls diese Daten auch an Dritte aushändigen.

Pre-Paid Karten: Ja, diese sogenannten schnellen Einstiegsmöglichkeiten ins Internet (ohne Vorlage von Personalien) gibt es nach wie vor. Und grundsätzlich ist dies eine der besten Möglichkeiten anonym im Internet zu surfen, da es ja zu der IP-Adresse keine Kundendaten gibt. Doch viele Daten werden auch vom Zugangsgerät (Handy, Laptop, etc.) beim Einstieg ins Internet übertragen, die dann durchaus auf den Benutzer umgemünzt werden können. Zwar ist das deutlich schwieriger als bei einem registrierten Internetzugang, aber wiederum nicht unmöglich.

Also alles so lassen, wie es ist?

Kurzum: Nein. Wenn du etwas für deinen Datenschutz tun kannst und es auch verstehst (!) dann tue es. In diesem Artikel wollte ich lediglich aufzeigen, dass man nicht so einfach anonym surfen kann, wie es uns die Reporter gerne auftischen wollen. Man muss sich mit der Thematik beschäftigen und stets auf der Hut sein. Nur dann kann man seine Identität bestmöglich schützen – doch ein Hinweis in eigener Sache: Bleibe damit trotzdem auf der legalen Seite des Internets 🙂

PS: Möchtest du mehr über Proxy-Server erfahren, dann empfehle ich dir diesen Link dazu: www.computerbetrug.de/anonym-surfen/anonyme-proxyserver

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